Ehrenamtliche Tierheimarbeit – womit ich definitiv nie gerechnet hätte

Mein ehrliches Fazit nach 21 Stunden im Tierheim mit 6 verschiedenen Hunden im Training

Wenn du mich kennst oder mir schon länger folgst, dann weißt du vermutlich, wie sehr mir der Tierschutz am Herzen liegt. Für mich war immer klar, dass ich nicht einfach wegsehen kann, wenn so viele Tiere kein Zuhause haben. Meine eigenen Hunde kommen aus dem Auslandstierschutz, und ich habe mich auch immer wieder dort eingebracht oder Hunde auf Pflege genommen.

Und trotzdem gab es diesen einen Bereich, um den ich jahrelang einen großen Bogen gemacht habe: das Tierheim hier vor Ort.

Meine größte Hürde war ich selbst

Ich war lange überzeugt davon, dass ich das emotional nicht schaffe. Dieser Gedanke hat sich richtig festgesetzt. Ich hatte Angst davor, dort hineinzugehen und mit dem Leid konfrontiert zu sein, Tag für Tag. Angst davor, dass es mich zu sehr mitnimmt, dass ich es nicht aushalte, die Hunde dort zu sehen und sie nicht alle retten zu können. Rückblickend war es nicht das Tierheim selbst, das mich abgehalten hat, sondern meine eigene Vorstellung davon.

Irgendwann kam aber ein Punkt, an dem ich mir selbst nicht mehr ausweichen konnte. Ich habe mich gefragt, was ich mit meiner Ausbildung eigentlich bewirken möchte und wo ich wirklich etwas beitragen kann. Und da kam diese Idee wieder hoch, die ich so lange verdrängt hatte. Nicht irgendwo helfen, nicht nur punktuell – sondern direkt dort, wo die Hunde gerade sind.

Also habe ich es gemacht. Ich habe angefragt, wurde eingeladen, und plötzlich stand ich wirklich im Tierheim. Und seitdem durfte ich innerhalb von zwei Monaten mit sechs verschiedenen Hunden arbeiten.

Training im Tierheim ist anders

Was ich dort sehr schnell gemerkt habe: Training im Tierheim hat mit dem, was viele sich unter „Hundetraining“ vorstellen, nicht besonders viel zu tun. Zumindest nicht in meiner Welt. Es geht dort nicht um Perfektion, nicht um schnelle Fortschritte und schon gar nicht darum, dass ein Hund „funktioniert“.

Ein Tierheim ist eine Ausnahmesituation. Für manche Hunde mehr, für andere weniger, aber es ist nie einfach nur Alltag. Viele stehen unter Stress, manche sind völlig überfordert, andere wirken nach außen ruhig und tragen trotzdem unglaublich viel in sich. Und genau deshalb hat sich auch meine Sicht auf Fortschritt verändert.

Was mich wirklich überrascht hat

Was mich zusätzlich sehr berührt hat, waren die Menschen vor Ort. Ich hatte vielleicht insgeheim ein anderes Bild im Kopf, aber die Realität war eine ganz andere. So viel Engagement, so viel Herzlichkeit und echtes Interesse daran, dass es den Hunden gut geht. Und das in einem Umfeld, das alles andere als leicht ist. Es ist laut, es ist körperlich anstrengend und emotional sowieso. Trotzdem habe ich dort so viel Wärme erlebt, dass sich mein Blick auf das Ganze komplett verändert hat.

Und auch meine größte Angst hat sich nicht bestätigt. Ich dachte wirklich, ich würde dort stehen und im Mitleid versinken. Aber das ist nicht passiert. Nicht, weil mir die Hunde egal sind – ganz im Gegenteil. Sondern weil ich gesehen habe, wie gut sie dort betreut werden und wie viel Herzblut in dieser Arbeit steckt. Dieses Gefühl von Ohnmacht, das ich vorher erwartet habe, hat sich in Dankbarkeit verwandelt. Dankbarkeit dafür, dass ich ein Teil davon sein darf.

 

Ein Gedanke zum Thema Tierheimhund vs. Züchter

Was ich in dem Zusammenhang auch ansprechen möchte, ist dieses typische Argument, das man immer wieder hört: dass man lieber einen Hund vom Züchter nimmt, weil man bei einem Tierheimhund nicht weiß, was er erlebt hat. Ich verstehe, woher dieser Gedanke kommt, aber er greift einfach zu kurz.

Ein Hund aus dem Tierheim ist nicht weniger wert und auch nicht automatisch „schwieriger“. Und ein Hund vom Züchter ist nicht automatisch unkompliziert. Am Ende ist jeder Hund ein Individuum, mit eigener Geschichte, eigenen Bedürfnissen und eigener Persönlichkeit. Und ehrlich gesagt habe ich im Tierheim bisher keinen Hund erlebt, den ich als „problematisch“ bezeichnen würde. Viele hatten einfach ein Zuhause, das sie aus ganz unterschiedlichen Gründen verloren haben.

Mein ehrliches Fazit

Mein Fazit nach diesen 21 Stunden ist ehrlich gesagt ein ganz anderes, als ich es erwartet hätte. Ich bin nicht daran zerbrochen. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich „zu sensibel“ dafür bin.

Im Gegenteil: Ich habe gelernt, genauer hinzusehen, geduldiger zu werden und die kleinen Entwicklungen wirklich wertzuschätzen.

 

Und vielleicht ist genau das der Punkt, den ich für mich mitnehme: Es geht nicht darum, alles sofort verändern zu können. Es reicht, da zu sein, hinzusehen und den Hunden genau das zu geben, was sie in diesem Moment brauchen.